Wie eine GAEB-Ausschreibung funktioniert
6 Minuten Lesezeit · Stand 2026-08-20
Wer öffentlich baut, bekommt das Leistungsverzeichnis nicht als PDF, sondern als GAEB-Datei. Wer sie nicht lesen kann, tippt zweihundert Positionen ab — oder gibt kein Angebot ab.
Was GAEB ist
GAEB steht für "Gemeinsamer Ausschuss Elektronik im Bauwesen". Der Standard regelt, wie Leistungsverzeichnisse zwischen Ausschreibendem und Bieter ausgetauscht werden. Es ist kein Programm, sondern ein Dateiformat — vergleichbar mit PDF, nur für Bauleistungen.
Die Phasen, an den Dateiendungen erkennbar
Der Austausch läuft in Phasen, und jede hat ihre eigene Kennung:
- X83 — Leistungsverzeichnis: Was gebaut werden soll. Kommt vom Ausschreibenden, enthält Positionen mit Ordnungszahl, Kurztext, Langtext und Menge, aber keine Preise.
- X84 — Angebot: Dieselbe Struktur zurück, jetzt mit Ihren Einheitspreisen.
- X81 — Kostenanschlag, X86 — Nachtrag: seltener, gleiche Bauart.
Die Zahl steht für die Phase, nicht für die Version.
GAEB XML oder GAEB 90 — der Unterschied, der weh tut
Es gibt zwei Generationen. GAEB XML (Endungen wie `.X83`) ist die moderne, XML-basierte Fassung. GAEB 90 (Endungen wie `.D83`) ist das ältere Format mit festen Satzlängen — jedes Feld sitzt an einer festen Zeichenposition.
Beide sind im Markt. Öffentliche Auftraggeber und größere Büros schicken meist XML; kleinere Ausschreibungen und ältere Programme liefern noch D83. Wenn eine Software "GAEB" kann, lohnt die Rückfrage, welche Generation.
Wie ein Leistungsverzeichnis aufgebaut ist
Ein LV ist ein Baum, kein Stapel:
- Titel und Untertitel gliedern (etwa "Erdarbeiten", "Beton").
- Positionen hängen darunter, jede mit einer Ordnungszahl — der eindeutigen Nummer, unter der später abgerechnet wird.
- Vorbemerkungen stehen vor den Positionen und enthalten Bedingungen: Baustelleneinrichtung, Zahlungsziele, wer den Baustrom stellt.
Die Vorbemerkungen sind der Teil, den man beim schnellen Rechnen überliest — und in dem die Sätze stehen, die eine Kalkulation kippen können.
Wo Angebote scheitern
Die Ordnungszahl wird verändert. Sie ist der Schlüssel zwischen Ausschreibung und Abrechnung. Wer sie umnummeriert, produziert ein Angebot, das formal nicht zuzuordnen ist.
Zuschlagspositionen werden mit einer Zahl gefüllt, die niemand geprüft hat. Ein Zuschlag, den ein Programm automatisch setzt, ist eine Zahl, für die der Betrieb haftet.
Bedarfspositionen werden wie normale gerechnet. Sie sind Eventualpositionen — bepreisen ja, in die Angebotssumme rechnen nein.
Die Struktur wird beim Zurückschreiben zerstört. Ein X84 muss die Reihenfolge und Verschachtelung der X83 einhalten. Manche Vergabestellen weisen Dateien ab, die davon abweichen — und teilen den Grund nicht mit.
Was Sie prüfen sollten, bevor Sie abgeben
1. Sind alle Positionen bepreist, die bepreist gehören?
2. Stimmen Ordnungszahlen und Reihenfolge mit der Ausschreibung überein?
3. Sind Bedarfs- und Zuschlagspositionen bewusst behandelt?
4. Haben Sie die Vorbemerkungen gelesen — wirklich gelesen?
In Livo: GAEB-Dateien werden eingelesen (Titelbaum, Ordnungszahl, Kurz- und Langtext, offene Mengen), bepreist und als X84 zurückgegeben. Vor dem Download prüft Livo die Struktur gegen die amtlichen Schemadateien: Reihenfolge, Pflichtfelder, Stellenzahl. Vorbemerkungen und Zuschlagspositionen werden angezeigt, aber bewusst nicht automatisch bepreist. GAEB 90 (.D83) können wir derzeit nicht — das steht auch so auf der Produktseite.